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Wer ist Jesus Christus
- allmächtiger Gott oder Hoherpriester Gottes?

 

 

,,Er (...) hat trotz seiner Sohnesstellung an seinem Leiden den Gehorsam gelernt (...),
er, der von Gott mit der Bezeichnung »Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks« angeredet (oder: begrüßt) worden ist."

,,Geschworen hat der HERR und wird sich’s nicht leid sein lassen:
»Du sollst ein Priester in Ewigkeit sein nach der Weise Melchisedeks.«"


(Hebräer 5,6-10; Psalm 110,4)

 

Jesus ,,kennt" hierzulande wohl fast jeder oder hat zumindest schon von ihm gehört. Wie geht es Dir? Doch was weisst Du von ihm? Viele halten ihn - zu Unrecht wie folgende biblische Belege zeigen werden - für den allmächtigen Gott. Doch diese Belege zeigen ebenfalls: Er ist mehr als jeder andere Mensch, der je gelebt hat oder leben wird. Es sollen nachfolgend jedoch nicht nur die Vielzahl biblischer Argumente gegen die Trinität, sondern auch jene Schriftstellen betrachtet werden, die die Trinitarier (also jene Gläubigen an die Gleichwertigkeit Jesu und den "Dreieinigen Gott") zur Begründung des Dogmas heranziehen. Zunächst ein

Vorwort zur Geschichte der Trinität und aktuellen Kirchenreaktion.

Die Kirche hat aktuell - nach ca. 1700 Jahren - Geschichte geschrieben! Nachfolgend zitiere ich deren - noch zögerliche - Selbstkritik zur Trinität auf offizieller Webseite und will beleuchten, wie es dazu gekommen ist.

"Dreieinigkeit (lat.: Trinität) bezeichnet die Offenbarung Gottes und den Glauben an einen Gott in drei Gestalten als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Kaum ein Thema des christlichen Glaubens ist jedoch so rätselhaft (geworden), wie das Bekenntnis der Christen zum dreieinigen Gott. (...) Zu Gott kann man beten, aber zu Jesus oder zum Heiligen Geist? Wie kann Jesus Gott und zugleich Sohn Gottes sein? Und was hat es mit dem Heiligen Geist auf sich? Drei gleich eins, eins gleich drei - eine Rechnung, die paradoxer nicht sein könnte. In der Bibel findet sich keine Trinitätslehre (...) Die Lehre von der Trinität ist erst später entwickelt worden (...) Es ist jedoch nicht zu übersehen, dass derartige Gedankengänge nicht gerade einfach nachvollziehbar sind. So konnte Philipp Melanchthon schlussfolgern: "Die Geheimnisse der Gottheit sind besser anzubeten als zu erforschen."

- Die "Evangelische Kirche in Deutschland" (EKD) auf ihrer Webseite unter "Glaubens-ABC" und "Dreieinigkeit", abgerufen am 12. Sept. 2014 (Link).

Obwohl noch immer von einer "Offenbarung Gottes" gesprochen wird (s.o.) ist die Kritik am eigenen Dogma unübersehbar. Wie ist es zu dieser kirchlichen Selbstkritik gekommen?

Seit dem Konzil von Nicäa, 325 n.Chr., wurde die Lehre der "Dreieinigkeit", "Dreifaltigkeit" oder "Trinität" nach fortwährenden und hartnäckigen - und deshalb aus Sicht des Kaisers Konstantin nachvollziehbar den "Reichsfrieden" bedrohenden - Streitigkeiten über das "wahre Wesen Jesu" unter Einfluss des Kaisers zum Dogma der damals noch "römisch-orthodoxen" und baldigen Staatskirche erhoben. Dennoch dauerte der Streit um jenes "Wesen“ von Jesus durch sich daraus ergebende neue Uneinigkeiten und Widersprüche (trotz mehrerer Einigungsversuche) über die gesamte Spätantike. (s. Liste der Konzilien). Basierend auf dem "unumstösslichen Wahrheitsanspruch" (Dogma) überzogen jene Kirche, und nach Abspaltungen auch ebenfalls deren Töchter, die Welt fortan und bis zum heutigen Tag mit dieser Lehre und liessen "ihren" Gläubigen und selbst Aussenstehenden keinen anderen Glauben zu. Ein Glaube an den "Dreieinigen Gott", festgeschrieben im ökumenischen Rat der Kirchen und fussend und nachlesbar im Bekenntis von Nicäa, bis zum heutigen Tag.

Zu Vollmachtzeiten der Kirche wurden Kritiker des Dogmas nicht nur ausgeschlossen, als "Sektierer" oder "Häretiker" oder "Ketzer" verleumdet, sondern auch verbannt oder später mittels der Inquisition hingerichtet, ihre kritischen Schriften verbrannt, wenn letzteres auch nicht restlos gelang. Betreffend der heiligen Schrift selbst war es durch deren weite Verbreitung  - und auch um die eigens behauptete "Existenzberechtigung" nicht infragezustellen - vollkommen unmöglich, diese Argumentationsgrundlage jener Kritiker zu vernichten oder deren Argumente, steter Nährboden für neue Nichttrinitarier, zu entfernen. Dennoch funktionierte deren "Meinungsbildung", basierend unter anderem auf Glaubensbekenntnissen, Katechismen und Interpretationsschriften, gezielte Bibelverweise und Anmerkungen, Drohung, Ausgrenzung, Verleumdung, Gewalt und Angst, über nunmehr etwa 1700 Jahre.

Während in den letzten Jahren noch vermehrt behauptet wurde, die Trinität sei ein "auf biblischen Fakten beruhender christlicher Konsens" und Kritik sei, "wenn überhaupt, nur vereinzelt" vorgekommen, verändert die zunehmende Publizierung historischer Fakten bezüglich der Konzilien und die daraus folgende Unmöglichkeit solcher Schönfärberei, die Lage. Nun, im Jahr 2014, ist die Kritik an diesem Dogma - lauter vorgetragen durch bibellesende Muslime und publizierende Nichttrinitarier als durch vereinzelte Theologen - unübersehbar geworden. Das Dogma ist damit, für die gleichzeitig trinitarisch verpflichteten Kirchen, zu einem lästigen Problem geworden. Das auch schon aus Sicht der eigentlich angestrebten Ökumene auch mit den nichttrinitarischen Kirchen und Glaubensgemeinschaften. Daß die Differenzen zum jüdischen monotheistischen Gottesverständnis diesbezüglich seit jeher unvereinbar waren, hatte solche bisher nicht sonderlich gestört.

Der eigene Rest von Glaubwürdigkeit steht jetzt auf dem Spiel: Theologen sehen sich überfordert, in einer heutigen Welt, geprägt durch Aufklärung im Internet, den Gläubigen die Gedankengebäude dieses Dogmas zu erklären, für das gerade ihre behauptete Glaubensgrundlage, die Bibel, reichlichst Widersprüche bereithält. Die Zeit, in denen man notfalls mit "göttlichen Mysterien" argumentierte, sind zwar noch immer nicht vorbei, aber dennoch unglaubwürdiger denn je. Alles wird zunehmend unglaubwürdiger, je mehr die Aufklärung zum Thema Trinität auch im World Wide Web wächst. Es ist für solche eine wahrlich "verzwickte Situation": Man kann weder so tun, als sei alles korrekt, denn die geschichtlichen und biblischen Argumente wiegen einfach zu schwer und jeder der will, kann es nachlesen - noch kann man einfach alles revidieren. Allzu gut ist bekannt und belegt, was die Kirche bis zum heutigen Tag behauptet hat und weiter behauptet.

Der von einem Priester und einem Organisten missbrauchte Norbert Denef berichtete in der Stuttgarter Zeitung über die taktischen Prinzipien jener Kirchen: "...Man geht erst nach draußen, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht. Dann tut man so, als wäre man um Aufklärung bemüht." Diese "taktischen Prinzipien" finden sich dann in jenem obigen "Teilbekenntnis" der EKD zur Trinität auch so wieder. Wäre es nicht so, oder ginge es der Kirche im Eigentlichen um die Wahrheit oder wäre sie einsichtig, so hätte man sicher nicht 1700 Jahre benötigt, um solche Kritik zu äussern.

 

 Kapitel 1: Argumente der Bibel gegen die Trinität

 Kapitel 2: Von den Trinitariern behauptete biblische Belege für die Trinität

 

Kapitel 1 - Argumente der Bibel gegen die Trinität

Christus, zu deutsch Gesalbter (Gottes), stammt von griechisch ,,christos" (Χριστός). Das hebräische maschiach, eingedeutscht Messias, hat dieselbe Bedeutung. Maschiach wird in der hebräischen Bibel (Tanach = altes Testament) zum Beispiel für Könige oder Priester verwendet und bezieht sich auf einen durch biblische Prophezeiungen erwarteten Nachkommen König Davids, dessen Reich "in Ewigkeit" nicht vergehen soll.

Im Neuen Testament bezeichnet „der Gesalbte“ (griech. ὅ Χριστός ho Christós) den später wiederkommenden christlichen Heilsbringer der Endzeit, Jesus, dessen Auftreten eigens von Johannes dem Täufer angekündigt und vorbereitet wurde (vgl. Joh. 1; Lk 3).

Die Bibel bezeichnet nicht nur Jesus als einen ,,Gott", sondern auch

  • Satan als ,,Gott dieser Weltzeit" (2. Kor. 4,4; vgl. Joh. 12,31; Eph. 2,2);
  • Mose als „Gott“ für Aaron und den ägyptischen Pharao (Ex. 7,1; Ex. 4,16, Vers 4,16 in anderen Übersetzungen: "für ihn Gott" (EUe) oder "für ihn zum Gott" (rev. ELB));
  • Menschen an die Gottes Wort erging als ,,Götter" (Joh. 10,34-35; Ps.82,6ff.);
  • Gott gehorsame Engel als ,,Gottessöhne", zu denen ehemals auch Satan gehörte (Hiob 1,6; 2,1).

Nicht nur Engel, sondern auch Menschen werden als ,,Söhne Gottes" bzw. ,,Kinder Gottes" bezeichnet, wenn sie nach Gottes Willen leben (Mt. 5,9; Lk 20,36; Röm 8,14-17; Gal 3,26) - im Gegensatz zu den ,,Söhnen (bzw. Kindern) des Ungehorsams" (Kol. 3,5-7) bzw. geistigen ,,Kindern des Teufels" (1.Joh 3,10; Joh.8,42-47), was ebenso Engel betreffen kann (2.Petr.2,4; Jud. 6).

Dementsprechend bezeichnet sich also selbstverständlich auch Jesus als "Sohn Gottes" (s. Joh. 10,34-36) bzw. in Unterscheidung zu den Engeln auch als "Menschensohn" (z.B. Mt. 20,28; Lk 18,31). Auch die Muslime oder Juden unter den Lesern können dem also entnehmen: Das ist keine Gotteslästerung von Jesus (wie auch von den damaligen Juden unterstellt, die ihn verurteilen wollten), sondern im Kontext der heiligen Schrift eine Selbstverständlichkeit - denn Jesus war sogar ohne Sünde (Joh 8,46; Hebr 7,22-27, vgl. Vers 26), weshalb er auch die Wunder tun konnte (Joh 9,30-33; Joh 11,39-45), weil Gott ihn stets erhörte. Das zeichnet Jesus besonders aus - wie auch Jesus es selbst feststellt (Joh 5,36-40).

Solche Wunder von Jesus werden auch im Koran (Sura 3, Al Imran) erwähnt, mit der Bemerkung, daß dies "wahrlich ein Zeichen für euch", also für die Menschen sei (so auch Sura 19,21). Weiterhin ist entsprechend von "klaren Beweisen" die Rede, die Jesus erbringt (Sura 2,87; 43,63 etc.), während Mohammed dies eindeutig nicht tun konnte. Dann aber wiederum behauptet Mohammed im Koran, Jesus sei nur einer von vielen Propheten und nicht Sohn Gottes, da Gott keinen Sohn habe. Ein Widerspruch, zumal "Sohn" in der heiligen Schrift obige Bedeutung und damit eine andere Bedeutung hat, als auch unter Muslimen vielfach angenommen wird. Aber zu Jesus besonderer Stellung gleich mehr. 

Obige Verse zeigen: Wenn die Bibel Jesus in manchen Versen als einen "Gott" bezeichnet, dann definiert ihn dies deshalb nicht als den "allmächtigen Gott" oder "Höchsten". Auch die Bezeichnung "Sohn Gottes" hat demzufolge nicht Gleichwertigkeit zum Allmächtigen zur Bedeutung, da auch Geschöpfe dessen in o.g. Fällen so genannt werden. Das "Gottes- und Sohnverständnis" vieler ist also ein ganz anderes, als das, welches die Bibel lehrt. Wer aber zum richtigen Verständnis der Bibel gelangen will, wird natürlich verstehen müssen, wie die Bibel "Gott" bzw. "allmächtiger Gott" oder "Sohn Gottes" bzw. "Söhne Gottes" oder "Kinder Gottes" definiert.

Die Bibel bezeichnet Jesus von Nazareth auch als König bzw. "König der Könige", einen Gott, als Logos (d.h. u.a. Wort und Weisheit Gottes), eingeborenen Sohn Gottes (eingeboren: griech. monogenäs = »einzig entstammend, einzig in seiner Art«) - und andererseits auch als ewigen Hoherpriester, erstgeborenen Bruder, Propheten, Gesandten Gottes, Geschöpf Gottes, Menschen, etc. Belegende Bibelverweise siehe nachfolgend.

Auch hier haben wir wieder eine Parallele zum Koran, denn auch dort wird Jesus - dort genannt Isa ibn Maryam - als masīḥ = Gesalbter/ Messias (Gottes) bezeichnet. Ich möchte aber verdeutlichen, daß der Koran für mich kein glaubwürdiges Zeugnis abliefert, da bereits sein Verkünder - Mohammed - wegen seiner Taten und auch Worte für mich nicht glaubwürdig ist. Seinem Vorbild eifern strenggläubige Muslime nach. Weiteres dazu unter "Das Fundament". Der Koran-Gläubige kann aber über diese Tatsache, daß Jesus an beiden Stellen (Koran und Bibel) solche besonderen Titel hat und auch seine Wunder dort erwähnt werden, nachdenken.

Die biblischen Titel und der Kontext für Jesus verdeutlichen einerseits seine absolute Sonderstellung bei Gott und zeigen: Jesus steht höher als alle anderen. - Sie schliessen andererseits aber auch die Betitelung als "allmächtigen Gott" (bzw. Teil dessen, vgl. Trinitäts-Dogma) faktisch aus. Weshalb?

  • Jesus ist als ewiger Hoherpriester zweifellos der höchste Diener Gottes auf ewig, und kann folglich nicht Gott selbst sein (Hebr. 7,17, Ps. 110,4, Hebr. 7,20-25).
  • Auch als Gesalbter (Gottes) kann Jesus aller Logik nach nicht der allmächtige Gott selbst sein, da er ja dann keine Ermächtigung, (d.h. Macht-Erhalt von Gott; siehe Salbung) benötigen würde, sondern diese aus sich selbst hätte.

Wie geschrieben steht (Hebräer 7,7): ,,Nun ist es aber durchaus unbestreitbar, daß das Geringere von dem Höheren gesegnet wird." Die Betitelung als "Christus" verschleiert diese Tatsache, weil dies vom altgriechischen Wort abstammt, wir aber der deutschen Sprache mächtig sind. Die deutsche Bedeutung wird dadurch vielen nicht klar.

Ebenfalls steht geschrieben (Hebräer 5,4-6):

,,Und niemand kann sich selbst diese Würde zueignen, sondern er muß von Gott dazu berufen werden, ganz so wie es auch bei Aaron der Fall gewesen ist. So hat denn auch Christus sich nicht selbst die hohe Würde des Hohenpriesters zugeeignet, sondern der, der zu ihm gesagt hat (Ps 2,7): »Mein Sohn bist du, ich selbst habe dich heute gezeugt«; wie er auch an einer anderen Stelle sagt (Ps 110,4): »Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.«"

  • Gott ist als einziger unsterblich und unsichtbar (1. Tim. 6,16; 2.Mo 33,18-20; 1.Joh 4,12; Joh 5,37). Jesus dagegen starb am Kreuz und wurde gesehen. Und wenn man sein Angesicht sah, dann starb man auch nicht (vgl. 2.Mo 33,20). Hinweis: Dem (Muslim?), der nicht daran glaubt oder versteht, daß oder warum Gott Jesus hat sterben lassen, dem empfehle ich, Hebräer 5,7-10 und die Schriftstellen unter "Weisheit der Welt" zu lesen.
     
  • Gott (JHWH) ist ein einziger Herr, wie Jesus sagt, als er die höchsten Gebote erklärt (Mk 12,29). Jesus sagte: "Das erste ist: ›Höre, Israel: der Herr, unser Gott, ist Herr allein...‹" Und um Zweifel auszuräumen, an anderer Stelle sagte Jesus (Joh 8,17-18): "Nun steht doch auch in eurem Gesetz geschrieben, daß das Zeugnis zweier Personen wahr ist (5.Mose 17,6; 19,15). Ich lege Zeugnis von mir ab, und der Vater, der mich gesandt hat, legt auch Zeugnis von mir ab."

    Damit meinte er, daß der Vater ihn durch seine ihm gegebenen Werke bezeugt. Jesus sagt hier also aus: Ich + der Vater = zwei Personen, und in obiger Textstelle (Mk 12,29): Nur eine Person ist der Gott Israels und der Christen - nämlich JHWH. Wo bleibt da Platz für weitere Personen "in einem Gott" (Trinitätsdogma)? Die Antwort ist: Kein Platz. Ebenso verhält es sich mit einer weiteren biblischen Tatsache:
     
  • Jesus ist der erstgeborene Bruder der Christen. Vor und nach der Himmelfahrt. (Röm. 8,29; Hebr. 2,11-12; 2,17). Wie sollte er da der allmächtige Gott sein, obwohl auch er - wie seine Geschwister - von einem Vater abstammt? (Hebr. 2,11, siehe oben)

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, daß Jesus  - als Bruder zu seinen Brüdern - sprach (Joh 20,17): ,,Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.". Hier sagt Jesus also klar aus, daß der (allmächtige) Vater und Gott genauso sein Gott und Vater ist, wie der seiner "Brüder und Schwestern" (s.o.). Damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt:

  • Jesus hat einen Gott wie oben ersichtlich, nämlich den allmächtigen Vater bzw. auch Gott Israels, d.h. JHWH. Obige Worte sagte Jesus nach der Auferstehung und Jesus wiederholt es auch in ähnlicher Weise, als er bereits zu Gott aufgefahren ist - vgl. Offenb. 3,12 und 3,2 sowie die Apostel in z.B. Eph 4,5-6; 1.Kor. 15,28; 1.Petr. 1,3.

Ich betone das deshalb, weil es einige gibt, die behaupten, Jesus sei auf der Erde zwar Mensch gewesen, im Himmel sei er jetzt aber der allmächtige Gott. Das ist hiermit widerlegt: Jesus ist noch immer Bruder vieler Brüder (s.o.), Gott ist noch immer sein Gott, und... - Und damit kommen wir wiederum zum nächsten Punkt, der auch mit obiger biblischer Aussage (Jesus als erstgeborener Bruder) übereinstimmt:

  • Jesus ist Mensch auf der Erde gewesen und auch noch immer Mensch (d.h. auch im Himmel) - wie 1.Tim 2,5, oder Apg. 17,31, jeweils nach der Himmelfahrt über Jesus geschrieben, betont. Der in der Offenbarung des Johannes beschriebene himmlische Körper von Jesus ist ein Körper, wie er auch für seine Brüder und Schwestern (s.o.) nach der Auferstehung biblisch beschrieben und angekündigt wird (1.Kor 15,35-49; Phil 3,20-21). Auch dort ist von "Herrlichkeit" und "Kraft" die Rede und gesagt: "...wie der himmlische Mensch (Christus) beschaffen ist, so sind auch die himmlischen (Menschen) beschaffen." (1.Kor 15,48) bzw. "...zur Gleichgestalt mit seinem Herrlichkeitsleibe" (Phil 3,21).

Auch der herrliche himmlische Leib Jesu ist also überhaupt kein Beleg dafür, daß Jesus der allmächtige Gott wäre. Er ist nur als Erster auferweckt worden (1.Kor 15,20), wie er lt. Gottes Willen in allem der Erste sein soll (Kol. 1,18).

Die genannten Unterschiede zwischen Gott und Jesus kommen auch in weiteren Versen zum Ausdruck, wonach der allmächtige Vater

Das, obwohl Jesus

Bitte nachlesen. Der Rangunterschied ist dennoch deutlich und ebenso, daß Jesus dies alles nur durch und nach Gottes Willen und Ermächtigung ist. Jesus hat diese Macht also nicht aus sich selbst, sondern Jesus erhält die Macht von Gott. Dieser hat auch Gründe, Phil 2,8-11, s.o.:

"er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tode, ja, bis zum Tode am Kreuz. Daher hat Gott ihn auch über die Maßen erhöht und ihm den Namen verliehen, der jedem anderen Namen überlegen ist."

Jesus überhebt sich dabei nicht, sondern setzt stattdessen den Glauben an den "allein wahren Gott" vorraus, welcher allein der Vater (JHWH) ist. Darum sprach Jesus im sogenannten ,,hohepriesterlichen Gebet" (Johannes 17):

,,Darin besteht aber das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus den Gesalbten (=Christus), erkennen." (Joh. 17,3)

Doch nicht nur den Glauben an seine Worte setzt Jesus voraus, sondern auch den Glauben an die Worte seiner Apostel, die alle dasselbe glaubten und lehrten. Was lehrten sie? Lesen wir, was der Apostel Johannes schreibt, dem von Trinitariern ja besonders gerne unterstellt wird, er habe sagen wollen (Johannes 1, dazu später) Jesus sei der allmächtige Gott. Was schreibt Johannes?

"Noch viele andere Wunderzeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buche nicht aufgezeichnet stehen; diese aber sind niedergeschrieben worden, damit ihr glaubt, daß Jesus der Gesalbte, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben in seinem Namen habt." (Joh. 20, 30-31)

Warum "der Gesalbte" (Gottes) nicht der allmächtige Gott sein kann, hatte ich oben ja bereits geschrieben. Es ist ein Widerspruch in sich.

Daß JHWH tatsächlich der "allein wahre Gott" ist, wie auch Jesus ihn oben bezeichnet, oder daß Jesus "der Gesalbte (Gottes)" ist, wird durch das Zusammenspiel mehrerer Umstände unklar bzw. "vernebelt". Zunächst ist dazu wichtig, zu wissen, daß:

  1. gängige Bibelübersetzungen JHWH im Alten Testament allgemein geläufig als groß "HERR" bezeichnen, anstatt ihn als JHWH (vermutlich ausgesprochen "Jahwe") zu benennen. Das hat seinen Ursprung darin, daß man aus Furcht, den Namen Gottes versehentlich zu missbrauchen, bei den Juden üblicherweise u.a. "Adonai" (hebr. ‏אֲדֹנָיădonāy „mein Herr“) verwendet, anstelle des Gottesnamens. Daher steht auch in den Übersetzungen gross "HERR" (alternativ üblich ist z.B. auch HErr), wo sich der Gottesname JHWH befindet. Manchmal kommt es dabei sogar zur Doppelbezeichnung "Herr HERR" (vgl. z.B. 5.Mose 3,23-24 in der rev. Elberfelder Übersetzung), wo "Herr JHWH" im Urtext steht. Die Aufschlüsselung dessen findet sich zwar im Anhang, wird von vielen aber nicht gelesen. So bleibt das solchen unbekannt.
  2. daß in den Bibelübersetzungen im Neuen Testament auch Jesus als "Herr" (klein) betitelt wird, Gottes Hierarchie gemäß als "Herr" unterhalb Gottes. Ebenso wird dort aber auch der allmächtige Vater nicht immer als "Vater" oder "Gott", sondern teilweise auch als "Herr" (klein) bezeichnet. Wer dann jeweils gemeint ist, ergibt sich aus dem Kontext. Oft auch dadurch, daß z.B. Verse aus dem Alten Testament zitiert werden, wo (im alten Testament, nicht im Neuen) selbstverständlich gross HERR (d.h. JHWH) für den allmächtigen Vater steht. Eine gute Bibelübersetzung führt bei solchen Zitatversen des alten Testaments die Bibelstellen in Klammern auf, bzw. setzt die Zitate auch kursiv und in Anführungsstriche (z.B. Menge), was sehr hilfreich ist. Beispiele dafür sind Apg 2,20-21 (wo der Prophet Joel dabeisteht, meistens jedoch ohne konkrete Stelle, hier Bezugnahme auf Joel 3,4-5) oder Röm 10,9-13 (wo Jesaja 28,16 und insbesondere Joel 3,5 in vielen Übersetzungen gar nicht erwähnt werden).

Die Unklarheiten ergeben sich also dadurch, daß

  • nicht beachtet wird, daß sich viele Schriftstellen im Neuen Testament auf Aussagen von Propheten aus dem Alten Testament beziehen, und damit ebenfalls klar auf den allmächtigen Vater (JHWH). Viele Trinitarier deuten insbesondere Römer 10,13 (s.o.) stattdessen auf Jesus, auch deshalb, weil ihnen nicht klar ist, daß hier Propheten zitiert werden. Das kommt aber häufiger vor.
  •  die oben erwähnte Aufschlüsselung für "HERR" oder z.B. "HErr" im Alten Testament (AT), die sich im Anhang im "Wald der Buchstaben" befindet, von etlichen nicht gelesen wird. So bleibt das solchen unbekannt.

  • Bibelübersetzungen verwendet werden, wo der oder die Übersetzer oder Herausgeber es - soweit sie die Kenntnis besassen - nicht für nötig hielten, bei Zitatversen des alten Testaments die Bibelstellen in Klammern aufzuführen, die Zitate auch kursiv zu setzen bzw. hervorzuheben, und dieselben in Anführungsstriche zu setzen.
  • sich Jesus in den meisten Übersetzungen nicht als "der Gesalbte" (Gottes), - also zu deutsch und verständlich - findet, sondern als "Christus", d.h. eine Eindeutschung vom Griechischen und lateinischen Wort, dessen Sinn und Bedeutung als "der Gesalbte" (Gottes) nur wenige kennen oder wirklich verstanden haben.
  • trinitarisch Gläubige in diverser Literatur und Webseiten häufig auch "Jesus" oder "Christus" in solcher GROSSSCHRIFT zu schreiben pflegen. Doch nicht nur das: Auch genauso das "Herr" für Jesus (sinnvoll wäre generell klein zur Unterscheidung) schreiben sie oftmals als "HERR" oder "HErr", also Gross. Dadurch wird nun logischerweise der Gottesname JHWH, der ja wie oben erwähnt in den Übersetzungen des Altes Testaments gewöhnlich als "HERR" oder "HErr" ausgeschrieben wird, in der Literatur und auf Webseiten etc. mit Jesus verwechselt. Vor allem der biblische Neuling (aber auch trinitarisch Gläubige) kommen dadurch völlig durcheinander. Das scheint letztere aber nicht zu stören, obwohl es unverantwortlich ist. Das auch deshalb, weil sie ja auch glauben, Jesus sei allmächtig und Gott gleichgestellt als Teil einer "dreieinigen Gottheit".
     
  • die meisten Bibelübersetzungen von Trinitariern erfolgten, woraus folgt, daß diese nicht unbedingt Wert darauf legen, durch Verweise und Anmerkungen und Hervorhebungen Dinge zu verdeutlichen oder klar zu stellen, die ihrem persönlichen Verständnis von "Gott" widersprechen. Warum erfolgten die meisten Bibelübersetzungen von Trinitariern? Weil die Trinität die wohl älteste und am meisten verbreitete Kirchen(irr)lehre ist. Theologen und Kirchenmitglieder innerhalb der Ökumene (s. Ökumenischer Rat d. Kirchen) sind an das Bekenntnis zur Trinität zwanghaft gebunden, s. hier.

Daß die Apostel demgegenüber tatsächlich dasselbe glaubten, wie Jesus es oben aussagt (Joh 17,3)  beweist nicht nur wie oben genannt der Apostel Johannes mit seiner Klarstellung in Kapitel 20, sondern auch viele der Anfangsverse in ihren Briefen an die Christen (bitte nachlesen). Auch im 1.Korintherbrief äussert der Apostel Paulus sich dementsprechend, wobei auch der Sachverhalt mit den oben genannten ,,Göttern" - wie die Bibel sie bezeichnet - sich darin wiederfindet:

,,Denn mag es auch sogenannte Götter, sei es im Himmel oder auf der Erde geben – es gibt ja viele solche Götter und viele Herren –, so gibt es doch für uns nur einen Gott, nämlich den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm (oder: für ihn), und nur einen Herrn, nämlich Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn." (1.Kor. 8,5-6)

Ich habe unterstrichen, daß in oben zitierter Stelle erwähnt wird, daß alle Dinge ,,durch" Jesus entstanden sind, da Gott ,,durch" Jesus als dem "Logos" - quasi dem "Werkmeister" Gottes - alle Dinge erschuf. Logos bedeutet u.a. Wort u. Weisheit Gottes, vgl. u.a. 1. Kor.1,24. Darum sind die Dinge auch ,,von" Gott (s.o., 1.Kor.8) und ,,durch" Jesus geworden, wie Paulus hier schreibt. Gott handelt auch "durch" Engel, "durch" Propheten sowie "durch" Jesu Nachfolger, konkret also durch die Geschöpfe, die ihm gehorsam sind.

Dieses Thema der sogenannten "Präexistenz" von Jesus in der Urzeit und seine Beteiligung an der Schöpfung ist zwar insbesondere für Neulinge in biblischen Schriften kein einfach verständliches, es bleibt jedoch in diesem Zusammenhang erforderlich, darauf einzugehen. Das deshalb, weil gerade damit behauptet wird, Jesus sei der allmächtige Gott, was vielen dann auch plausibel erscheint. Dem ist aber dennoch nicht so.

Die vorherige Existenz, d.h. ,,Präexistenz" von Jesus bei Gott bereits in der Urzeit wird belegt durch zum Beispiel Joh 1,1-3; 8,55-58; Micha 5,1; Spr. 8,22-31; Joh 6,46, Joh 17,5; Offenb 3,14, vgl. auch Joh 6,38. Anmerkung: Spr. 8,30, siehe oben, übersetzt die Septuaginta/LXX und lat. Bibel mit "der Werkmeister". Die Septuaginta /LXX ist die alt- bzw. koinegriechische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments, übersetzt ab ca. 250 v. Chr.. Sein Einsatz als "Werkmeister" nach Gottes Anweisung bei der Schöpfung wird belegt durch z.B. Hebr.1,2; Joh.1,10-11; Kol.1,16.

Nun bist Du vielleicht erneut verwundert, weil Jesus´ Handeln so machtvoll ist. Man muss dazu aber lediglich grundsätzlich verstehen, daß es Gottes souveräner Allmacht obliegt, demjenigen Engel oder Menschen soviel Macht und Möglichkeiten zu verleihen, wie er es will. Und dafür hat er auf jeden Fall und selbstverständlich auch Gründe. Im Fall von Jesus sind sie wie oben bereits erwähnt z.B. in Phil 2,6-11 genannt, wobei man wissen muss, daß Gott ins Herz sieht und auch zukünftige Entscheidungen und Handeln seiner Geschöpfe kennt.

Wer Zweifel daran hat, daß Gott solche Macht verleihen kann, der zweifelt an Gottes Allmacht und Souveränität. Wer bezweifelt, daß Gott das tun würde, der ist sich vielleicht nicht darüber im Klaren, daß die Bibel (Altes und Neues Testament) voll von Zeugnissen darüber ist, daß Gott (z.T. übermenschliche) Macht und Titel vielfältiger Art verleiht, wem und wie und wann und solange er will. Sogar Satan als ehemaliger Engel Gottes (vgl. Hiob 1,6; 2,1) erhielt nicht nur früher Macht, sondern auch weiterhin erhebliche Macht (vgl. Lk 4,5-8). Nämlich für begrenzte Zeit und zum Zweck der Prüfung und Aussonderung derer, die die Wahrheit nicht lieben von denen, die das tun (2.Thess 2,9-12; 2. Kor 11,14-15; 5.Mose 13,2-4). Wie es auch bei Jesus Versuchung, Lk. 4 s.o., deutlich wird.

Dennoch - wie aus z.B. Paulus Worten oben, 1.Kor. 8, bereits ersichtlich - unterscheidet die Bibel zwischen dem Allmächtigen (Vater, JHWH) und Jesus als vom Höchsten Ermächtigtem klar. Es gibt im Zusammenhang mit der o.g. Präexistenz von Jesus ein weiteres Argument gegen die Trinität:

  • Jesus wird in der Bibel als "geschaffen", sprich als Geschöpf Gottes mit einem "Ursprung" oder "Anfang" oder "Geburt" vor jeglicher übriger Schöpfung definiert (Kol. 1,15; Micha 5,1, Spr.8,22-26; Offb.3,14), der "in allem der Erste" sein sollte (Kol.1,18) und die größte Ehre vor allen erhielt.

Wer daran Zweifel hat, der möge sich daran erinnern, daß Jesus - wie oben bereits festgestellt - Hoherpriester, d.h. Diener Gottes sowie Mensch und Bruder seiner Nachfolger ist. Wenn auch ein besonders geehrter und herausgehobener Mensch, ist Jesus dennoch ein Mensch. Auf der Erde und im Himmel.

Unter den zunehmend privilegierteren Bischöfen der sich bildenden damals noch römisch-orthodoxen Staatskirche des 4. Jhdts (vermutlich schon im 3. Jhdt.) stritt man u.a. darum, ob Jesus nun "gezeugt" oder "geschaffen" sei. Schliesslich legte man dann im Ersten Konzil von Nicäa fest, er sei "gezeugt, nicht geschaffen", wie dies auch aus dem Text des Bekenntnisses von Nicäa hervorgeht. Im heutigen "Großen Glaubensbekenntnis" der römisch-katholischen Kirche heißt es über Jesus: "aus dem Vater geboren vor aller Zeit (…), gezeugt, nicht geschaffen."

Dabei haben die Begriffe "geboren", "gezeugt" bzw. "geschaffen" hinsichtlich der Frage, ob Jesus zeitlos ist, also keinen Anfang hatte oder doch (das ist ja die Vorraussetzung für die Behauptung, er sei der allmächtige Gott), sinngemäß die gleiche Bedeutung. Warum? Es ist doch eigentlich nachvollziehbar, daß auch jemand der als "geboren" oder "gezeugt" definiert wird, zwar eine uralte Existenz vor sehr langer Zeit oder Zeitspannen, aber keine Existenz ohne Anfang haben kann. Und so ist es lt. dem biblischen Zeugnis (s.o.) bei Jesus der Fall. Ausserdem geht daraus jeweils hervor, daß er sein Leben Gott zu verdanken hat. Beide o.g. Varianten sind - wie man es auch dreht - natürlich kein Beweis für die Trinität, sondern jeweils ein Widerspruch zu diesem Kirchen-Dogma.

So kommt es übrigens auch in Joh 1,18 durch das "eingeboren" (griech. monogenes oder monogenäs) zum Ausdruck. Auf diese Stelle komme ich später noch zurück.

Im hebräischen, siehe Psalm 90,2, wird übrigens sogar für die Berge und die Welt statt "geschaffen" ebenso "geboren" übersetzt bzw. kann übersetzt werden:

"Ehe die Berge geboren waren und du die Erde und die Welt erschaffenA hattest, von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du, Gott."  A) w. geboren

Übersetzung: Rev. Elberfelder, "w." bedeutet dort "wörtlich". So übersetzt auch Menge entsprechend.

Damit möchte ich das erste Kapitel dieser Abhandlung zur Frage "Ist Jesus Gott?" abschliessen. Alle diese genannten klaren Aussagen und Wahrheiten der heiligen Schrift,  wie sie auch oben aufgezählt wurden, muss der Trinitarier ignorieren und als "unverständlich" hinnehmen oder deren geradlinigen Aussagen aufwändig uminterpretieren, wenn er seinen Glauben an das Dogma aufrecht erhalten will. Das Dogma verwandelt die Geradlinigkeit der heiligen Schrift in ein undurchdringliches Dickicht aus Unklarheiten und Unverständlichkeiten.

Während Jesus im Gebet zum Vater sagt: "Das ist das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, erkennen." (Joh. 17,3), gibt es für den Trinitarier den Vater gar nicht als den "allein wahren Gott“ wie er es für Jesus ist, sondern sie gesellen diesem einen zweiten (und dritten) Gott hinzu. Der darin versteckte Vielgötterglaube wird subtil dadurch verheimlicht, daß man so tut, als wären selbst unterschiedliche Personen (Jesus und der Vater) "eins" im Sinne von "verschmolzen". Und deshalb - so behauptet man - sei es "natürlich kein Vielgötterglaube". Daß das aber lediglich auf Missinterpretation ohne Beachtung des biblischen Kontextes beruht, zeige ich anhand der biblischen Schriftstellen im nächsten Kapitel auf.

Im nächsten Kapitel will ich unter dem Motto "Grillparty Trinitätsdogma" (nicht der Trinitarier, sondern das Dogma wird gegrillt, hier wird nicht gehandelt wie damals bei Michael Servetus) den "Spiess umdrehen" und neben weiteren Argumenten wider der Trinität auch konkret auf jene "Argumente" (Schriftstellen) eingehen, die die Trinitarier gewöhnlich bringen, um ihr Dogma als "wahrhaftig" zu begründen.

 

 

1) Apostel von altgriechisch: apóstolosGesandter, Sendbote“

 

 

 

 Kapitel 2 - Von den Trinitariern behauptete biblische Belege für die Trinität [in Bearbeitung]

Hinweis: Obwohl ich um für sich betrachtete Verständlichkeit bemüht bin und das meistens durch viele Verweisstellen auch möglich sein wird, setze ich in diesem Kapitel die Kenntnis der Schriftstellen und Ausführungen aus vorangehendem Kapitel 1 grundsätzlich voraus. Der Leser möge also mit Kapitel 1 einsteigen.

 

 Behaupteter Beleg 1:  "Ich und der Vater sind eins". (Jesus in Joh. 10,30)

Das Trinitätsdogma behauptet, die "Einheit" von der in diesem Satz Jesu die Rede ist, sei so zu verstehen, daß Jesus und der Vater "eine Gottheit" seien. Stimmt das? Nein. Dafür gibt es keine biblischen Belege, stattdessen beruht das auf reiner Interpretation unter Missachtung des biblischen Kontextes. Das "eins" bzw. die "Einheit" der Bibel meint etwas ganz anderes - und das lässt sich auch biblisch nachweisen. 

"Einheit" oder "eins" meint das, was aus Apostelgeschichte 4,32 hervorgeht: Einheit im Sinne von "ein Herz und eine Seele", wie geschrieben steht: "Die Gesamtheit der Gläubiggewordenen aber war ein Herz und eine Seele..."

Dieser Bericht eines Zustandes von innerer Einheit bei den Nachfolgern Jesu lässt sich an anderer Stelle so wiederfinden. Psalm 37,30-31 beschreibt die Einheit des Gerechten (Menschen) mit Gott: "seine Zunge redet Recht; das Gesetz seines Gottes wohnt ihm im Herzen", wie Gott es durch seine Propheten angekündigt hat. Siehe beim Propheten Hesekiel 11,19-20: "...will ich ihnen ein anderes Herz verleihen und ihnen einen neuen Geist eingeben (...) damit sie nach meinen Satzungen wandeln", bei Jeremia 31,33: "Ich will mein Gesetz in ihr Inneres hineinlegen und es ihnen ins Herz schreiben" und Jeremia 32,38-39: "ich will (...) ihnen einerlei Sinn und einerlei Wandel verleihen". So wurde es durch Gott auch in 2.Chr. 30,12 ermöglicht. Siehe vergleichsweise Psalm 40,8-9, wo diese innere Herzens-Einheit auch zwischen Jesus und Gott beschrieben wird.

Jesus möchte dementsprechend, wie es ihm "eine Lust ist, Gottes Willen zu tun" (s. Psalm 40,9), daß die, die ihm glauben - seine Nachfolger - genauso mit ihm "ein Herz und eine Seele" sind, wie er es mit dem Vater ist! Siehe, wie er es in Johannes 17,11 sowie 21-23 klar nachlesbar vom Vater erbittet: "...damit sie eins seien, so wie wir es sind." Und weiterhin: "...daß sie alle eins seien; wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, so laß auch sie in uns eins sein, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast. (...) damit sie eins seien, wie wir eins sind..."

Die berichteten Geschehnisse aus Apg. 4,32, siehe oben, sind Zeugnis für die Erfüllung der obigen Ankündigung durch die Propheten und die Erhörung dieses Gebets Jesu aus Johannes 17 für seine wahren Nachfolger. Demzufolge ist solche Einheit wie zwischen Jesus und Gott auch für die Brüder und Schwestern Jesu bzw. seine Schüler und Nachfolger ebenfalls so

  • prophezeit,
  • von Jesus erbeten und
  • für die Nachfolger Jesu biblisch bezeugt.

Daß es sich demnach nicht um eine "Exklusiveinheit" zwischen Jesus und Gott handelt, wird auch aus einem weiteren Aspekt deutlich. Dazu zunächst noch einmal Vers 21 von oben:

"daß sie alle eins seien; wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, so laß auch sie in uns eins sein..." (Joh 17,21).

Ist hier dennoch durch den Ausdruck "du Vater in mir" und "ich in dir" von einer "Exklusiveinheit" zwischen Jesus und Gott die Rede, die es zwischen Gott und Jesu Brüdern und Schwestern dagegen nicht gibt? Nein.

Durch Gottes Wirken und seinen Geist kann es zur "Einheit" kommen. Siehe auch unter "Von der Einheit". Für seine Gabe wiederum ist Vorraussetzung, daß man tut, was Gott erwartet (Apg 5,32), so daß es sich dann verhält, wie Johannes in 1. Joh 4, 12-13 und 16 beschreibt. Darin findet sich jenes gegenseitige "in" dann so wieder: 

"Niemand hat Gott jemals (mit Augen) gesehen (...) Daß wir aber in ihm bleiben und er in uns, erkennen wir daran, daß er uns (eine Spende) von seinem Geist gegeben hat." (Vers 12-13). In Vers 16 dann: "Und wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und geglaubt: Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm."

Mit dem gegenseitigen "in" erfolgt also die Beschreibung dieser Einheit Gottes auch mit denen, die seinem Gesandten Jesus glauben (vgl. 1.Joh 4,14) und durch diesen Gesandten dann Gott selbst glauben (Joh 12,44), dann folglich entsprechend handeln und deshalb von Gott Vergebung, seinen heiligen Geist und ewiges Leben erhalten (Joh 3,36).

Die Einheit mit Gott ist bei den Schülern und Nachfolgern Jesu etwas, das sich nach Sinneswandel und Buße/Umkehr und der Gabe von Gottes Geist für Jesu "Brüder und Schwestern" Stück für Stück weiter entwickelt (Röm 8,29; 2. Kor. 3,18), und trotz seiner Sündlosigkeit so auch bei Jesus bis zu seinem Tod (Hebr 5,7-10; Hebr 2,10).

Fazit: Diese Aussagen sind ein klarer Widerspruch zum Exklusivanspruch von Einheit, wie die Trinitarier es behaupten. Wäre "Einheit" tatsächlich so zu verstehen, wie die Kirchen es gemäß dem Dogma behaupten, so müsste Gott demnach nicht aus drei, sondern aus unzähligen Personen bestehen, denn Jesus wahre Nachfolger, seine Brüder und Schwestern, sind ja - gemäß obiger Zeilen aus Johannes 17; 1. Joh. 4 etc. - in diese Einheit eingeschlossen. Daß Gott aber nicht aus unzähligen Personen, zumal Menschen, besteht, dürfte klar sein. Daran wird dieses kirchliche Denkmodell also ebenfalls ad absurdum geführt.

Würde man das Dogma in dieser Angelegenheit also aufrecht erhalten wollen, so würde auch dieses "hohepriesterliche Gebet" von Jesus (wie der Titel "ewiger Hoherpriester" selbst) in Nebel getaucht und das Verstehen hätte die Endstation, den "Bahnhof" erreicht. Man "bräuchte" mindestens kirchliche Interpretationsschriften um dann (fälschlicherweise, bei bleibenden Widersprüchen) zu glauben, man hätte es halbwegs verstanden. Das ist das Prinzip der "Irr-Gleise".

Diese Ausführungen zur biblischen "Einheit" werden im Zusammenhang mit der Überprüfung weiterer behaupteter "Belege" für die Trinität noch näher belegt und vertieft werden.

 

 Behaupteter Beleg 2: "Da antwortete ihm Thomas: »Mein Herr und mein Gott!"  (Joh. 20,28)


Zunächst stelle man sachlich fest, dort steht nicht: "Thomas nannte Jesus "Mein Herr und mein Gott"", sondern dort steht: Thomas "antwortete ihm" entsprechend. Wenn man sich dann die Verse 25-29 durchliest, dann wird schnell klar, daß Thomas (der zuvor nicht glauben konnte, daß Jesus auferstanden war!) völlig überwältigt vor Staunen war, als er Jesus´ Wundmale von der Kreuzigung ansehen und berühren durfte. Halten wir fest: In diesem Zustand von Überwältigung sagte Thomas: "Mein Herr und mein Gott!"

Tun das nicht auch viele andere Menschen? Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß sehr viele Menschen in solchen Situationen von Überwältigung "Mein Gott!" u.s.w. sagen. Damit meinen solche dann aber durchaus nicht den, der ihnen gerade gegenübersteht! Trotzdem "antworten sie ihm" entsprechend.

Vielleicht hat der eine oder andere Schwierigkeiten, sich in so eine Situation hineinzuversetzen. Darum will ich das näher beschreiben: 

Die Jünger Jesu haben ihn innig geliebt. Nun war ihr Vorbild, Herr, Meister (Rabbi) und König aber grausam gefoltert und hingerichtet worden, ist dann gestorben. Sie selbst haben seinem Tod miterlebt, ihnen war bekannt, daß ein römischer Soldat mit einer Lanze in seinen Brustkorb hineinstach, um zu prüfen, ob er schon tot ist. Daraufhin trat "Blut und Wasser", sprich Feststoffe und Serum aus, wie das bei kürzlich Verstorbenen der Fall ist.  Danach wurde Jesus völlig leblos vom Kreuz abgenommen und in einem Steingrab beerdigt. Nun stand dieser Verstorbene aber durch Gottes Macht leibhaftig vor Thomas und den anderen.

Alternativ könnte man sich auch einen Menschen vorstellen, der seinen geliebten Angehörigen, vielleicht sein Kind, grausam entstellt unter den Opfern von Flug MH17 gefunden hat, vielleicht identifizieren musste. Vielleicht hat der eine oder andere solche Bilder bereits bei Google&Co gesehen. Stände dieser Ermordete nun einige Tage später leibhaftig vor ihm, könnte es da nicht passieren, daß er ausspricht "Mein Herr und mein Gott!" ? Ich denke es ist sehr wahrscheinlich, daß eine an Gott gläubige Person es  - so oder anders - täte. Und sicher würde er mit diesem "Mein Gott!" dann nicht die Person meinen, die ihm gerade gegenüberstände. Thomas aber war als Jude ein an JHWH, den allmächtigen Gott, gläubiger Mann.

Vielleicht lässt sich die "Überwältigung", von der ich hier bzgl. Thomas spreche, auf diese Weise etwas besser nachvollziehen.

Wenn man mir nun vorwerfen wollte, ich hätte diese Stelle "so interpretiert", so kann ich auf folgendes verweisen:

  1. daß sie sich in den zuvor bereits aufgeführten Kontext der heiligen Schrift auf diese Weise harmonisch einfügt. Der Trinitarier dagegen, der behaupten wollte, hier handle es sich um das Bekenntnis des Apostels Thomas zu Jesus als "seinem Gott", hat den sämtlichen Nicht-trinitarischen Kontext der Bibel, inkl. Jesus eigenen Aussagen - siehe oben - gegen sich.
  2. daß die Aussage von Thomas aufgrund von Überwältigung getätigt wurde, lässt sich auch durchaus nicht widerlegen.
  3. Der Trinitarier oder sonstige Zweifler kann sich ja auch mal mit dem streng monotheistischen jüdischen Glauben beschäftigen (Thomas war Jude), und ob dort das Trinitätsdenken eines "Dreifaltigen Gottes" Anerkennung finden würde. Ich sage: Nein. So etwas ist dem jüdischen Denken völlig fremd und inakzeptabel. Der Glaube an den (wie man dort meint noch kommenden) Messias als Mensch allerdings nicht.

Ich will ein anderes prominentes Beispiel bringen, wobei die Übersetzungsweise eine Rolle spielt:

 Behaupteter Beleg 3: "...das Wort war Gott" (Johannes 1,1)

In Johannes 1,1 ist häufig übersetzt: "...das Wort war Gott", was gemäß dem dortigen Kontext klar auf Jesus zu beziehen ist. Zum eigentlichen Begriff "Logos" für Jesus - häufig übersetzt mit "das Wort" - hatte ich mich ja bereits geäussert. Tatsächlich gibt es etliche weit verbreitete, prominente Übersetzungen, die Joh. 1,1 wie oben gezeigt übersetzen und die Trinitarier sagen: "Daran kannst du erkennen, daß Jesus (der allmächtige) Gott ist". Wie folgende Beispiele jedoch zeigen, übersetzen viele es aber auch anders, oder aber mit Hinweisen dazu:

Curt Stage, Das Neue Testament, Leipzig:
"und das W o r t war selbst göttlichen Wesens"

Rudolf Böhmer, Das Neue Testament verdeutscht, Stuttgart:
"es war . . . selbst göttlichen Wesens"

Heinrich Wiese, Das Neue Testament, Stuttgart:
"und göttlichen Wesens war das Wort"

Oskar Holtzmann, Das Neue Testament, Gießen:
"und ein Gott war der Gedanke"

Hermann Menge, Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments, 11. Aufl., Stuttgart:
"und Gott (= göttlichen Wesens) war das Wort"

Ludwig Thimme, Das Neue Testament, Stuttgart:
"und Gott von Art war das Wort"

Ludwig Albrecht, Das Neue Testament, 10. Aufl., Gießen u. Basel:
"ja göttliches Wesen hatte das Wort"

Siegfried Schulz, Das Evangelium nach Johannes, Das Neue Testament Deutsch, "Neues Göttinger Bibelwerk", 2. Aufl. der neuen Fassung, Göttingen:
"und ein Gott (oder: Gott von Art) war das Wort"

Johannes Schneider, Das Evangelium nach Johannes, "Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament", Berlin:
"und göttlicher Art war der Logos"

Jürgen Becker, Das Evangelium nach Johannes, "Ökumenischer Taschenbuchkommentar zum Neuen Testament", Gütersloh u. Würzburg:
"und ein Gott war der Logos"

Ernst Haenchen, Das Johannesevangelium, Tübingen:
"und Gott (von Art) war der Logos"

Zürcher Bibel, Fußnote zu Joh.1:1 "Das Wort war gott" bedeutet: es war göttlichen Wesens.

Christiane Nord & Klaus Berger, NT und Frühchristliche Schriften, Leipzig 2003:
"Zuerst war das Wort da, Gott nahe und von Gottes Art."

Das Konkordantes NT übersetzt an dieser Stelle: "Zu Anfang war das Wort, und das Wort war zu Gott [hingewandt], und [wie] Gott war das Wort."

Der "Neue sprachliche Schlüssel zum griechischen NT" [Haubeck & von Siebenthal] schreibt zu Joh 1.1 "das Wort/der Logos war Gott (d.h. seinem Wesen nach Gott)"

The Emphatic Diaglott Containing the Original Greek Text of What Is Commonly Styled the New Testament, by Benjamin Wilson:
"In a beginning was the Word, and the Word was with the God, and a god was the word."

 

Diese Auflistung fand ich hier. Soweit ich es überprüfen konnte, ist es korrekt.

Hinweis: Ich selbst benutze beispielsweise aus unterschiedlichen Gründen gerne die Übersetzung von Hermann Menge (jedoch nicht nur), deren Qualität ich schätze. Auch die Menge- Übersetzung ist zwar weniger bekannt als manch eine andere und wegen der geringeren Auflage auch wesentlich teurer. Wer sich mit dieser Übersetzung näher auseinandersetzt kann an ihr jedoch beispielhaft gut erkennen, daß Prominenz und Verbreitung mancher Übersetzungen durchaus nicht zwangsläufig etwas mit mehr Qualität zu tun haben muss. In der auf rechtsstart.eu verwendeten Online-Variante der Bibelgesellschaft finden sich jedoch manche Anmerkungen, hier z.B. (=göttlichen Wesens) nicht, und - wie in den neueren gedruckten Ausgaben der Bibelgesellschaft -  fehlen die ursprüngliche Kursivschrift für in Klammern stehende, hinzugefügte Begriffe sowie die Spätschriften des Alten Testaments, die Menge mit übersetzte und in der Septuaginta (=LXX, altgriech. Übersetzung des Alten Testaments) enthalten sind.

Ob in Joh 1,1 nun "Gott" oder "ein Gott" übersetzt werden sollte - darüber sind sich die Übersetzer offensichtlich nicht einig. In Johannes 1,1 steht im griechischen Urtext:

"Ἐν ἀρχῇ ἦν ὁ λόγος, καὶ ὁ λόγος ἦν πρὸς τὸν θεόν, καὶ θεὸς ἦν ὁ λόγος."

Der gesamte Satz nachfolgend auf deutsch, die jeweiligen Wörter habe ich identisch fett gedruckt bzw. unterstrichen:

"Im Anfang war der Logos, und der Logos war bei (bestimmter Artikel: dem) Gott, und der Logos war (kein bestimmter Artikel) Gott."

Wie eingangs erwähnt, wird "der Logos" meistens mit "das Wort" übersetzt. Das fettgedruckte "πρὸς τὸν θεόν"  bzw. "pros ton theón" heisst auf deutsch: "bei dem Gott".

Es wird deshalb von Kritikern aus Richtung obiger alternativer Übersetzungen argumentiert, daß vor dem ersten Wort für "Gott" (θεόν, Theon) der bestimmte Artikel vorangestellt ist (τὸν), vor dem zweiten Wort für "Gott" (θεὸς, Theos) jedoch nicht (1. Theon θεόν,  2. Theos θεὸς, hat wohl die gleiche Bedeutung). Deshalb müsse es (sinngemäß, aber nicht direkt so übersetzbar) quasi "ein Gott" heissen. Weil das demnach aber nur sinngemäß so zu verstehen sei, deshalb entscheiden sich manche Übersetzer (siehe oben) nur für Anmerkungen wie "=göttlichen Wesens" oder: "Gott von Art", fügen das "ein" aber nicht ein.

Auch wenn das plausibel klingt: Ob das so richtig ist, kann der nicht altgriechisch Kundige (und ebenso die mit nicht genügend tiefgehenden altgriechisch-Kenntnissen) nicht endgültig beurteilen. Er kann aber folgendes tun:

  1. Es lässt sich an diesen vielen Beispielen anderer Übersetzungsweise als der durch einige prominente Übersetzungen (Luther, Einheitsübersetzung,...) bekannteren Variante ja gut erkennen, daß die Übersetzung von Joh 1,1 durchaus umstritten und kein klarer Beweis für die Trinität wäre - wie ihn ja seine Anhänger gerne so verwenden und behaupten, es sei so.

    Was ist da aber nun zu tun? Sollten wir uns die Übersetzungsvariante raussuchen, die uns "gefällt", vielleicht wonach uns "die Ohren kitzeln"? (2.Tim 4,3) Wohl kaum. Das wird derjenige tun, dem die Wahrheit nicht besonders wichtig ist. Wie immer in solchen Fällen - und überhaupt - ist stattdessen der (bibelweite) biblische Kontext entscheidend. Siehe beispielhaft Hebräer 1, 8-9, worin Psalm 45 zitiert wird: "...darum hat dich, o Gott, dein Gott mit Freudenöl gesalbt..."  Ein Gott also, der einen Gott hat und von diesem gesalbt wird. Das alleine ist eigentlich schon ein sehr deutlicher Hinweis, wie Johannes 1,1 zu verstehen ist.
     
  2. Er kann sich fragen, für welche Variante sich ein trinitarisch gläubiger Übersetzer im Zweifelsfall entscheiden wird.
     
  3. Er kann sich fragen, welchen Sinn es wohl für den Apostel Johannes macht, zu schreiben: "...der Logos (das Wort=Jesus) war bei Gott" vor folgendem Hintergrund: Wenn er hätte danach sagen wollen, daß der Logos der allmächtige Gott sei, so würde er sinngemäß aussagen: "...Gott war bei Gott".

Johannes überliefert dann weiterhin, daß Jesus sagte, daß er und der Vater zwei Personen sind (Joh 8,17-18), wovon aber nur einer (der Vater) der "allein wahre Gott" ist (siehe Kapitel 1 - Joh 17,3; Mk 12,29), der andere aber der (von diesem ermächtigte) "Gesalbte" (Joh 20,30-31; Apg 10,37-38; Apg. 4,24-28). Diesen Titel hat Jesus.

Sprich: Wenn Johannes in Kapitel 1,1 tatsächlich hätte sagen wollen, der Logos (das Wort, Jesus) sei ebenfalls der allmächtige Gott, so wäre das Resultat zu Jesus´ selbst zitierten Worten im Johannesevangelium etc. ein klarer Widerspruch, weil stattdessen von zwei Personen die Rede wäre, die jeweils der allmächtige Gott wären. Letzteres aber wurde von Jesus selbst ausgeschlossen - so bezeugen es Johannes und Markus (s.o.).

Unterscheidet man jedoch in Joh 1,1 zwischen "(dem) Gott" und "(einem) Gott" gemäß obigem, so ergibt sich kein Widerspruch und alles ergibt Sinn.

Fazit: Sowohl an der umstrittenen Übersetzungsweise, insbesondere aber am Kontext - den ich oben bereits zur Definition von "Gott" aus der heiligen Schrift zitiert hatte - erkennt man klar, daß die Begründung der Trinität mit Johannes 1,1 überhaupt nicht haltbar ist. Sinngemäß "ein Gott" träfe dagegen im Sinne des anfänglich unter Kapitel 1 beschriebenen biblischen Kontextes durchaus zu.

 

 

Behaupteter Beleg 4: "denn obgleich er Gottes Gestalt besaß, sah er doch das Gleichsein mit Gott nicht als einen gewaltsam festzuhaltenden Raub an; nein, er entäußerte sich selbst (seiner Herrlichkeit), indem er Knechtsgestalt annahm, ganz in menschliches Wesen einging und in seiner leiblichen Beschaffenheit als ein Mensch erfunden wurde"  (Philipper 2,6-7)

Man behauptet, die Aussage, daß Jesus "Gottes Gestalt besaß", würde aussagen, dass Jesus der allmächtige Gott war, bevor er auf die Erde kam. Daß er dann "Knechtsgestalt annahm", würde demnach bedeuten, daß er dann Mensch wurde. Sprich: Als Jesus auf dieser Erde war, sei er ein Mensch gewesen, vorher und nach der Auferstehung (oder spätestens Himmelfahrt) aber sei er (nun wieder) der allmächtige Gott.

Der aufmerksame Leser konnte feststellen, daß ich auf solche Behauptungen oben bereits weitgehend eingegangen bin. Allerdings kann der Wortlaut dieses Verses (etwa "Gottes Gestalt"; "Knechtsgestalt") Fragen aufwerfen. Ich will deshalb näher darauf eingehen. Ich belegte oben, daß Jesus

  • der erstgeborene Bruder der Christen auch nach der Himmelfahrt ist (Röm. 8,29; Hebr. 2,11-12; 2,17) und - wie seine Geschwister - von einem Vater abstammt (Hebr. 2,11).
  • einen Gott und Vater hat, und zwar den gleichen Gott und Vater wie seine Brüder und Schwestern, der auch "Vater der Geister" genannt wird (JHWH). Das ebenfalls auch nach der Himmelfahrt. (Joh 20,17; nach der Himmelfahrt dann in: Offenb. 3,12 und 3,2 sowie in Eph 4,5-6; 1.Kor. 15,28; 1.Petr. 1,3.
  • Mensch ist. Das ebenfalls auch nach der Himmelfahrt (z.B. 1.Tim 2,5 oder Apg. 17,31)

Daraus ergibt sich bereits, daß o.g. Behauptung so offenbar nicht stimmen kann. Was hat es nun mit "Gottes Gestalt" und "Knechtsgestalt" auf sich? Weiterhin schrieb ich:

"Der in der Offenbarung des Johannes beschriebene himmlische Körper von Jesus ist ein Körper, wie er auch für seine Brüder und Schwestern (s.o.) nach der Auferstehung biblisch beschrieben und angekündigt wird (1.Kor 15,35-49; Phil 3,20-21). Auch dort ist von "Herrlichkeit" und "Kraft" die Rede und gesagt: "...wie der himmlische Mensch (Christus) beschaffen ist, so sind auch die himmlischen (Menschen) beschaffen." (1.Kor 15,48) bzw. "...zur Gleichgestalt mit seinem Herrlichkeitsleibe" (Phil 3,21). Auch der herrliche himmlische Leib Jesu ist also überhaupt kein Beleg dafür, daß Jesus der allmächtige Gott wäre. Er ist nur als Erster auferweckt worden (1.Kor 15,20), wie er lt. Gottes Willen in allem der Erste sein soll (Kol. 1,18)."

Hier wurde belegt, daß auch Jesu Brüder und Schwestern (s.o.) einen himmlischen Leib erhalten wie Jesus ihn erhielt ("wie...so sind auch..."; "zur Gleichgestalt..."). Der Apostel Paulus nennt diesen "himmlischen Leib" auch "geistlichen Leib", in Unterscheidung zum "irdischen" bzw. "seelischen Leib" (1.Kor 15,40 bzw. 15,44).

Nach welchem Bild oder Ebenbild aber wurde der erste irdische Mensch (Der Mann Adam) geschaffen, wie auch zuvor bereits Jesus als erster himmlischer Mensch? (Präexistenz, s.o.). Die Antwort lautet: Nach Gottes Ebenbild, siehe 1.Mo 5,1; 1.Mo 1,27; Lk 3,38; 1.Mo 9,6; Jak 3,9; Apg 17,26-29. So ist es auch bei den Engeln der Fall, die als "Mann" bzw. "Gottessöhne" beschrieben werden (Jos 5,13-15; 1.Mo 18,1-2; Dan 3,24-28; Sach 2,5-7). Die Frau wird entsprechend der Ereignisse aus 1.Mo 2,21-23 als "Abglanz des Mannes" beschrieben (1.Kor. 11,7-8). Auch hier wird wieder erklärt, daß der Mann "Gottes Abbild und Abglanz" ist.

Gott ist zwar kein Mensch - denn er hat ja auch keinen irdischen bzw. fleischlichen/vergänglichen Leib, sondern einen geistlichen (s.o.) und ist zudem unsterblich und Schöpfer allen Lebens - dennoch wird Gott gemäß dem vorgenannten und dem Propheten Hesekiel (Ezechiel) auch in "Gestalt dem Aussehen eines Menschen gleich" beschrieben (Hesekiel 1,26-28). Daher der Ausdruck: "...nach Gottes Ebenbild". So auch beim Propheten Daniel (Daniel 7,9-10), wo auch Jesus als Menschensohn beschrieben wird (Dan. 7,13-14). Dementsprechend "ging" Gott auch im Paradiesgarten Eden (1.Mo 3,8), wie sein Bildnis, der Mensch, ebenfalls gehen kann (sowohl mit irdischem wie auch geistlichem Leib).

Nachdem nun geklärt ist, was für den Menschen (Mann) die Bezeichnung "Gottes Abbild und Abglanz" (1.Kor. 11,7-8) bedeutet, wird auch klarer, was in Philipper 2,6-7 damit gemeint ist, daß der Mensch und Bruder Jesus zuvor "Gottes Gestalt besaß" und in diesem direkten Zusammenhang auch der Ausdruck "Gleichsein mit Gott" benutzt wird: Das bedeutet, daß Jesus einst einen herrlichen himmlischen bzw. geistlichen Leib besaß (den auch Gott besitzt, daher: "Gottes Gestalt besaß"), und zwar in seiner Präexistenz, die Jesus als "eingeborener Sohn" (eingeboren: griech. monogenäs = »einzig entstammend, einzig in seiner Art«) zuvor bei Gott hatte (s. Kapitel 1).

Die Bezeichnung, daß er daraufhin "Knechtsgestalt" annahm und in seiner "leiblichen Beschaffenheit als ein Mensch erfunden" worden zeigt auf, daß er dann einen vergleichsweise schwächlichen/verletzlichen irdischen bzw. fleischlichen Leib erhielt (Mensch aus Fleisch und Blut). Siehe hierzu den Vergleich des himmlischen und irdischen Leibes der Brüder und Schwestern von Jesus durch Paulus aus 1.Kor 15,35-49, hier insbesondere Vers 42-43. Auch deren himmlischer Leib ist "herrlich" (s. Vers 40+43).

Fazit: Philipper 2,6-7 ist in Anbetracht dieser Zusammenhänge nicht zur Begründung der Trinität bzw. daß Jesus der "allmächtige Gott" wäre, geeignet, da bei dieser Annahme auch seine Brüder und Schwestern (mit ihrem späteren himmlischen Leib) "allmächtiger Gott" sein müssten. Das ist selbstverständlich nicht der Fall.

Behaupteter Beleg 5: "Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker GottA , Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens."  (Jesaja 9,5) A) oder: Gott-Held; Heldengott

Im wesentlichen geht es dabei um die Bezeichnungen "starker Gott" und "Vater der Ewigkeit", welche benutzt werden, um die Trinität mit dieser Stelle zu begründen. Daß Jesus ein "wunderbarer Ratgeber" und "Fürst des Friedens" ist, ist, denke ich, gemäß dem obigen Kontext sowieso klar. Also, zunächst zu dem Ausdruck "starker Gott" (auch z.T. übersetzt: „Gott-Held“; „Heldengott“):

Hebräer 1,9 bzw. Psalm 45,  ich hatte den Vers oben gerade genannt, steht beispielhaft für das, was oben bereits ausführlich behandelt wurde, nämlich daß der allmächtige Gott souverän Macht zuteilen kann und solche ermächtigten Personen (Engel oder Menschen) darum in der Bibel auch (wenn auch in Unterscheidung zum Allmächtigen) "(ein) Gott" bzw. "Götter" genannt werden. So auch Jesus: ..."darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt". Daß Jesus dabei zudem besonders herausgehoben ist, ist ebenfalls bereits belegt worden. Das ist die Erklärung, warum Jesus hier "starker Gott" (o.ä. übersetzt) genannt wird.

Jetzt zu der Bezeichnung "Vater der Ewigkeit" (in anderen Übersetzungen “ewig Vater“) für Jesus. Dabei will ich mich erstens auf "Vater" und zweitens auf "Ewigkeit" konzentrieren, da beides - bei Nichtbeachtung des biblischen Kontextes - auf den allmächtigen Gott fehlgedeutet werden kann. Aber, man lese dazu 1.Mose 45,4-8, hier speziell Vers 8:

"So habt also nicht ihr mich hierher gebracht, sondern Gott; der hat mich dem Pharao zum Vater gemacht und zum Herrn über sein ganzes Haus und zum Gebieter im ganzen Lande Ägypten." 

und Richter 17,10-12:

  "Da sagte Micha zu ihm: »Bleibe bei mir und sei mir ein Vater und Priester, so will ich dir jährlich zehn Silberstücke geben und für Kleidung und deinen Lebensunterhalt aufkommen.« Als er dann dem Leviten weiter zuredete, erklärte dieser sich einverstanden, bei dem Manne zu bleiben; und der junge Mann galt ihm wie einer seiner Söhne. Micha nahm also den Leviten in seinen Dienst, so daß der junge Mann sein Priester wurde und im Hause Michas blieb." 

Dieselbe Bedeutung für "Vater" findet sich in Richter 18,19. Aus diesen Stellen ist erkennbar, daß es sich tatsächlich um die Bezeichnung einer Person handelt, die dort nicht der leibliche Vater, auch nicht zwangsläufig älter, auch nicht der allmächtige Gott ist, sondern als "Hüter" oder "weiser Berater" für andere Menschen eingesetzt ist. So war es bei dem Leviten, der zu Micha kam. Auch er wurde "Vater", also „Hüter“, und auch Priester in seinem Haus. So war es auch bei Josef der Fall, dem Sohn von Jakob (auch von Gott "Israel" genannt), der vom ägyptischen Pharao sogar ermächtigt wurde, bezüglich der Machtfülle ihm gleichgestellt zu sein (abgesehen vom Thron und Titel). Das ist übrigens meines Wissens das einzige Mal, dass einem Menschen von einem menschlichen König (Pharao) dieselbe Machtfülle gewährt wurde, die er selbst hatte, ohne daß dieser (der Pharao) selbst abgetreten ist. Vgl.: 1.Mose 41,38-44.

Unabhängig von der Bibel findet sich diese Bedeutung für "Vater" auch als Titel des ersten römischen Kaisers Augustus (* 23. Sept. 63 v. Chr. , † 19. August 14 n. Chr. ; auch: Gaius Octavius, Großneffe und Haupterbe von Gaius Julius Caesar ). Wikipedia schreibt:

„Zum Zeitpunkt seines Todes lautete sein vollständiger Name und Titel: Imperator Caesar Divi filius Augustus, Pontifex Maximus, Co(n)s(ul) XIII, Imp(erator) XXI, Trib(uniciae) pot(estatis) XXXVII, P(ater) p(atriae). Zu deutsch etwa: „Imperator Caesar, Sohn Gottes, der Erhabene, Höchster Oberpriester, 13 Mal Konsul, 21 Mal Imperator,37 Mal Inhaber der tribunizischen Gewalt, Vater des Vaterlandes“.

(aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Augustus)

"Pater Patriae" ("Vater des Vaterlandes"), war ein gebräuchlicher römischer Ehrentitel, der als besondere Würdigung vom Senat verliehen wurde. Der Titel wurde auch späteren Staatsoberhäuptern zuerkannt, siehe hier.

Nun zur Klärung von "ewig" bzw. "Ewigkeit", wie es bei der Bezeichnung "Ewig Vater" bzw. "Vater der Ewigkeit" benutzt wird. Dazu ist es einerseits hilfreich zu wissen, welcher Begriff im jeweiligen Urtext dahintersteht, welche Übersetzungsmöglichkeiten er hat, bzw. wie die Übersetzer "ewig" gebrauchen. Letztlich bleibt das natürlich dem sprachlichen Laien weitgehend verwehrt. Dennoch eröffnet Gott durch den biblischen Kontext einer Übersetzung auch dem "gewöhnlichen Leser" die Möglichkeit zum richtigen Verständnis. Alternative Übersetzungen sind manchmal hilfreich, generell aber genaue Übersetzungen.

Da in Lexika häufig hilfreicherweise zahlreiche beispielhafte Schriftstellen genannt werden, an denen der jeweilige altgriechische bzw. hebräische Begriff und die Unterschiede nachvollzogen werden können, sind sie einerseits hilfreich. Dennoch sollte man unbedingt wissen und beachten, daß sie z.T. stark von kirchlichen Dogmen und falschen Denk- und Lehrgebäuden (u.a. der Trinität) durchzogen sind. Vergleiche sind hilfreich, der Kontext der Bibel zum richtigen Verständnis entscheidend.

Ewigkeit, ewig

Hebräischer Text (Altes Testament): Das Lexikon Wibilex liefert zum Begriff "Ewigkeit" die hebräischen Begrifflichkeiten. Siehe unter "2." die hebräischen Begrifflichkeiten wie "ad" "olam", "quedem", "ad olam" etc. Obiger Begriff aus Jesaja 9,5 findet sich unter "2.3" "ad" bzw. "Stetigkeit" als אֲבִיעַד ’ǎvî‘ad "Vater der Ewigkeit / Beständigkeit".

Lexikon zur Bibel (2001, Quadro-Bibel, PC) schreibt:

"Im griech. Text (LXX und NT) steht für E. aion (Zeitabschnitt, Epoche, anfangslose Zeit, Ewigkeit) und für ewig aionios. Hauptwort wie Eigenschaftswort lassen verschiedene Bedeutungen durchscheinen, die z.T. auch schon den hebr. Ausdrücken im AT innewohnen. Erst der Textzusammenhang läßt erkennen, ob im Vollsinn des Wortes »E.«, d.h. Endlosigkeit steht, oder nur »lange Zeit«, »Weltzeit«, »Welt« gemeint sind. Der Begriff der E. als anfangs- und endlose Zeitlosigkeit entstammt griechischem, nicht bibl. Denken (s.u. I B)."

Wie oben mit der "LXX" schon erwähnt: Auch der Text des Alten Testaments findet sich auf altgriechisch in der altgriechischen Übersetzung des Alten Testaments (das ist die Septuaginta oder "LXX"). Wer die Möglichkeit hat, kann auch dort vergleichen. Diese sehr alte Übersetzung des AT ist auch als deutsche Übersetzung erhältlich. 

Aion/Äon, siehe weitere Bedeutungen.

Wichtig ist vor allem, daß die häufige Meinung, "ewig" oder "Ewigkeit" oder auch "von Ewigkeit zu Ewigkeit" meine eine unendliche Zeit, nicht unbedingt der Fall sein muss. Weder im NT noch im AT. Wenn manche übersetzen "von Ewigkeit zu Ewigkeit" übersetzen andere "in alle Ewigkeit" (z.B. im griechischen quasi "von Aion zu Aion", kann auch heissen "von Zeitabschnitt zu Zeitabschnitt")  Man sollte also ruhig mal vergleichen. Eine entsprechende Stelle für Jesus ist z.B. in Hebr. 1,8 bzw. Psalm 45,7-8 (hier Menge-Übersetzung), die rev. Elberfelder Übersetzung (rev. ELB) übersetzt hier für Hebr 1,8 mit Anmerkung: "von dem Sohn aber: »Dein Thron, o Gott, ist von Ewigkeit zu EwigkeitA, und das Zepter der Aufrichtigkeit ist Zepter deines Reiches" A) w. (=wörtlich) in das Zeitalter des Zeitalters (griech. Äon). Für Lukas 1,33 übersetzt die rev. ELB über Jesus mit Anmerkungen: "und er wird über das Haus Jakobs herrschenA in EwigkeitB, und seines Königtums wird kein Ende sein." A) o. König sein  B) griech. Äonen

Was Jesus betrifft, siehe dazu auch die Prophetie aus dem Buch Daniel über Jesus Herrschaft oder auch Hebräer 1,11-12, wie oben schon erwähnt. Die Herrschaft dieses "Hüters" und "Oberhauptes" und "Hoherpriesters" und "Fürbitters" bei Gott (Hebr 7,23-25; 1.Joh 2,1) ist gemäß dieser Schriftstellen also bleibend, sie vergeht nicht in menschlich absehbarer bzw. einsehbarer Zeit (in Äonen nicht, vgl. Hebr 1,8 u. Lk 1,33 oben. Z.B. in Jes. 48,12; 44,6 und Offenb 22,13 spricht Gott von einem Ende, wobei Gott der einzige ist, dem "Unsterblichkeit" bescheinigt wird, auch hier nach Jesu Himmelfahrt (1.Tim 6,15-16). Was ist mit Jesus Anfang? Da ich oben bereits erwähnt und belegt hatte, daß Jesus nicht "schon immer da" war, sondern vor der übrigen Schöpfung von Gott geschaffen, gezeugt bzw. geboren wurde (Joh 1,18; Micha 5,1 etc.), trifft also die Bedeutung "schon immer da/anfanglose Zeit" nicht zu. Auch die Verwendung des Begriffs "ewig" (Vater) für Jesus, ob so oder alternativ übersetzt als "Vater der Beständigkeit" oder "Vater der Stetigkeit" (hebräisch ǎvî‘ad, s. oben) hat also keine Beweiskraft, daß Jesus der allmächtige Gott wäre.

Fazit: Jesaja 9,5 lässt insgesamt bei Beachtung des biblischen Kontextes keine seriöse Verwendung zur Begründung der Gleichrangigkeit Jesu zu Gott bzw. des Trinitätsdogmas zu.

 Behaupteter Beleg 6: "Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns den  Sinn dafür gegeben hat, dass wir den Wahrhaftigen erkennen. Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben." (1. Joh 5,20)

Zum richtigen Verständnis dieser Stelle hilft uns wiederum einiges aus dem Kontext, das oben bereits behandelt wurde. Wichtig zum richtigen Verständnis ist die Beachtung der Differenzierung zwischen zwei Personen: Gott und anderseits seinem Sohn (Jesus).

Ich wiederhole zunächst von oben: Daß beide zwei getrennte Personen sind, sagt Jesus in Joh. 8,17-18 (s.o.) klar aus. Daß "eins" bzw. "Einheit" ausserdem durchaus nicht "Einer" meint, sondern dabei von tiefer Innigkeit bzw. Herzenseinheit die Rede ist, ist oben gemäß dem biblischen Kontext bereits aufgeklärt worden. Daß Gott von diesen zwei Personen aber allein der "Wahrhaftige" Gott ist, bzw. Gott nur einer ist, sagt Jesus - wie oben ebenfalls bereits erwähnt - auch deutlich in Joh. 17,3 bzw. Mk 12,29 aus.

Nun zum Text: Johannes schreibt hier, daß der Sohn Gottes, der "Christus" (also der von ihm Gesalbte, s.o.) "...uns den Sinn dafür gegeben hat, dass wir den Wahrhaftigen erkennen". Bitte einmal den Satz nachvollziehen. Nun stellt sich die Frage: Kann Jesus da mit "der Wahrhaftige" gemeint sein, also hat Jesus den Gläubigen womöglich den Sinn gegeben, sich selbst zu erkennen? Nein. Im nächsten Satz findet sich die Auflösung: "Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus dem Gesalben (=Christus)" 

Daß hier einerseits vom "Wahrhaftigen" bzw. "wahrhaftigen Gott" und andererseits aber von "seinem Sohn" die Rede ist (siehe o.g. Differenzierung), ergibt sich auch im Zusammenhang mit dem letzten Satz, wo vom "wahrhaftigen Gott" die Rede ist. Der "Wahrhaftige" ist also nicht Jesus, sondern der "wahrhaftige Gott" bzw. Gott der Allmächtige, dessen Sohn und Gesalbter ja Jesus bekannterweise ist. Auch hier ist wiederum ergänzend "der Gesalbte" zum Verständnis hilfreich (= von Gott Ermächtigter=Widerspruch zur Allmacht Gottes).

Deshalb kann gemäß der Logik im letzten Satz: "Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben." nicht Jesus gemeint sein, auch wenn dieser Satz direkt auf "Jesus Christus" im Vorsatz folgt.

Aber es gibt eine weitere Schwierigkeit: Wie kann dieses "in" gemeint sein? Johannes schreibt ja "...wir sind in dem Wahrhaftigen", sowie:  "in seinem Sohn Jesus dem Gesalbten."

Auch hier geht es um Einheit mit Jesus und Gott, wie oben beschrieben, und Zusammengehörigkeit durch das hören und tun der Worte Gottes, die Jesus kundtat. Ich verweise da auf obige Ausführungen (bitte unter "Behaupteter Beleg 1" nachlesen), insbesondere die Stellen Joh 17,21-23, konkret in Vers 21-22 und 1. Joh 4, 12-13 und 16, wo sich das gegenseitige "in" einerseits zwischen Jesus und dem Vater (Gott), und andererseits auch zwischen den Brüdern und Schwestern Jesu und dem Vater (Gott) so wiederfindet.

Fazit: Auch hier in 1. Joh 5,20 finden wir keinen Vers, der zur Begründung der Trinität als biblische Wahrheit geeignet wäre. Hier müssten dazu schwerwiegende logische Grundsätze und zudem der sämtliche biblische Kontext missachtet werden. Als Warnung (auch für Trinitarier - subtiler Dreigötterglaube, auch Jesus wird dadurch zum Götzen!) schreibt Johannes im nächsten Vers:

"Kinder, hütet euch vor den Abgöttern!" (oder: Götzen) (1.Joh 5,21)
 

 Behaupteter Beleg 7: "während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus." (Titus 2,13, Einheitsübersetzung)

Aufgrund dessen wird behauptet, daß Jesus folglich der "...große Gott und Retter" des Apostels Paulus (Verfasser des Briefes an Titus) und seiner Brüder und Schwestern sei. Richtig ist: Isoliert betrachtet muss man das hier so verstehen. In dieser Übersetzung wohlgemerkt. Wir werden gleich sehen, weshalb es trotzdem falsch ist.

Ich habe oben nicht die von mir normalerweise verwendete Mengeübersetzung, sondern die sogenannte "Einheitsübersetzung" gewählt, da sie weithin verwendet wird und gerne u.a. auf Wikipedia zitiert wird. Hier fällt jedoch bei der Menge-Ü. ein geringer, aber wesentlicher Unterschied auf - siehe dort Titus 2,13.  Man beachte den letzten Satzteil und dort die Stellung des Wortes "unseres":

"...des großen Gottes und unsers Retters Christus Jesus..."

Ist der Unterschied aufgefallen? Nochmal in Gegenüberstellung die Einheitsübersetzung:

"...unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus."

Der Unterschied liegt also im Detail, nämlich in der Stellung des Wortes "unseres" bzw. "unsers". Im ersteren Fall (Menge) steht es vor "Retters Christus Jesus" im zweiten Fall (Einheitsübersetzung) aber bereits vor "großen Gottes", wodurch in letzterem Fall der Eindruck entsteht, Jesus der Gesalbte sei sowohl Retter als auch der "große Gott" des Apostels Paulus (Verfasser des Briefes an sein Glaubens"kind" Titus).

Menge differenziert durch diese Wortstellung in der Übersetzung also deutlich zwischen beiden - Gott und andererseits Jesus. Die gleiche Verfahrensweise ist z.B. auch in der Zürcher Bibel (s. Titus 2,13) nachlesbar.

Aber wie kommt es dazu? Handelt es sich hier um Beliebigkeit der Übersetzer? Deshalb noch ein Vergleich mit der revidierten Elberfelder Übersetzung (rev. ELB) und deren hilfreichen Anmerkungen, man achte dort auf die Anmerkung unter "B". Das Kürzel "o." bedeutet "oder":

"indem wir die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und HeilandesA Jesus ChristusB erwarten."
A) o. Retters  B) o. des großen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus

Obwohl sich auch die Übersetzer der rev. ELB für die Variante der Einheitsübersetzung entscheiden, wird hier also deutlich, daß gemäß vorliegendem altgriechischem Urtext auch alternativ "...des großen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus" übersetzt werden kann, wo die Stellung des Wortes "unseres" vor "Heilandes Jesus Christus" (oder: Retters Jesus Christus) ist und dadurch eine sinngemäße Trennung erfolgt. Nun haben wir hier also zwei Übersetzungen in der einen (Menge und Zürcher) und zwei in der anderen Variante (EUe und rev. ELB). Was ist nun richtig?

Wenn wir nun betrachten, was der Verfasser des Briefes an Titus, der Apostel Paulus, oben in anderer Hinsicht über Jesus den Gesalbten bzw. andererseits Gott geschrieben hat, so wird klar, daß er hier mit Sicherheit nur die unter "B" aufgeführte Variante gemeint haben kann. So wird das z.B. auch schon am Anfang seines Briefes durch die Trennung der Personen deutlich, siehe Titus 1,4 (Menge), dort steht auch in der Einheitsübersetzung vergleichbares (s. dort Titus 1,4).

Man sollte sich außerdem nicht davon irritieren lassen, daß sowohl Gott als auch sein Gesalbter (Jesus) jeweils "Retter" bzw. "Heiland" genannt werden, siehe Vers 3 und 4 im Vergleich, denn sie sind es ja beide. Weshalb? Gott rettet "durch" seinen Gesandten Jesus. Man erinnere sich an 1.Kor 8, 5-6 im ersten Kapitel dieser Abhandlung oben, wo Gott bereits "durch" Jesus handelte oder es alternativ "durch" Propheten u.s.w. tut (vgl. z.B. Lk 1,70). Deshalb und insbesondere aufgrund seiner Stellung ist auch Jesus "Retter" bzw. "Heiland" und erhält auch von Paulus ebenfalls diese Bezeichnung. Jesus ist ja der von Gott Gesandte, durch den Menschen zu wahrhaftigem Glauben und damit Gehorsam Gott gegenüber gelangen (vgl. Joh 12,44; 1. Petr. 1,21-22).

Daß Paulus in Titus 2,13 Jesus nicht als "grossen Gott" bezeichnete, zu diesem Ergebnis kommt man weiterhin auch bei Betrachtung des gesamten obigen Kontextes. Daß manche Übersetzer dennoch zur anderen Variante tendieren und sich für die andere Variante entscheiden, liegt mit grosser Wahrscheinlichkeit daran, daß sie selbst Trinitarier sind und es deshalb (so unverständlich wie es für Aussenstehende ist) für sie richtig erscheint, daß Paulus demnach Jesus als "grossen Gott" bezeichnet hätte. Jedem anderen - der von den trinitarischen "Denkgleisen" frei ist - fällt der Widerspruch sofort auf und er entscheidet sich im Zweifelsfall für die unter "B" genannte Übersetzungsvariante.

Fazit: Auch Titus 2,13 ist nicht geeignet, das Dogma der Trinität zu stützen. Wir können diesem Fall aber beispielhaft entnehmen, daß erstens auch hier der Kontext entscheidend ist (und auch hier zum richtigen Verständnis bereits genügt), daß zweitens aber der Blick in andere Übersetzungen manchmal hilfreich sein kann. Weiterhin sind Worterklärungen und Anmerkungen zu alternativen Übersetzungsmöglichkeiten hilfreich und wichtig. Dabei sei darauf hingewiesen, daß nur genaue Übersetzungen geeignet sind, solche Fälle zu erforschen. Sogenannte "kommunikative Übersetzungen" und sonstige interpretierende "Übersetzungen" sind nicht genau genug und deshalb zur Klärung solcher Fälle ungeeignet. Auch solche enthalten aber manchmal hilfreiche Worterklärungen und Hinweise zur exakten Übersetzung.

 

Behaupteter Beleg 8: "Da sagte Jesus zu ihm: »So lange Zeit schon bin ich mit euch zusammen, und (trotzdem) hast du mich noch nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen; wie kannst du sagen: ›Zeige uns den Vater!‹" (Johannes 14,9)

Auch mit dieser Aussage "...Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen..." wird von manchen (Trinitariern) behauptet, daß mit diesem Vers gestützt bzw. bewiesen würde, daß Jesus ebenfalls der allmächtige Gott sei. Diesen Vers (wie auch weitere) verwenden ausserdem solche, die behaupten, Jesus sei der allmächtige Vater in Person. Das ist eine Art "Weiterführung" des Trinitätsdogmas zu einer eigenständigen Lehre, wie sie zum Beispiel der Autor Hans-Jürgen Böhm (Postfach 53, 91284 Neuhaus) lehrt und andere, die er bereits um sich schart oder durch seine Bücher dazu kamen. Ich will also in diesem Zusammenhang diese zwei Fragen klären.  

Frage 1: Sagt Jesus hier aus, er selbst sei der Vater?

Nein. Jesus selbst unterscheidet zwischen den Personen, nämlich dem allmächtigen Vater und sich selbst (vgl. Joh 8,17-18 in Bezugnahme auf Joh 5,36), wie oben im ersten Kapitel unter dem Punkt (•) "Gott (JHWH) ist ein einziger Herr" bereits ausgeführt wurde. Die Bibel ist weiterhin voll von Beispielen der Unterscheidung zwischen Jesus und dem Vater (JHWH), siehe z.B. 1.Kor 8,5-6; Gal 1,1-3; Titus 1,4; 1. Kor 1,3; 2. Kor. 1,2; Römer 1,7 und so weiter, siehe jeweils die Einleitungen in den Briefen der Apostel, z.T. auch am Ende. Selbstverständlich bedeutet dort "Christus" jeweils "der Gesalbte (Gottes)", so unüblich wie es bei den Übersetzern bedauerlicherweise auch ist, den deutschen Titel zu verwenden. Selbstverständlich salbt bzw. "ermächtigt" sich der Vater nicht selbst. Er ist ja bereits allmächtig und hat diese Allmacht aus sich selbst heraus. 

Demzufolge kann mit der Aussage: "...Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen..." aus Johannes 14,9 von Jesus schon wegen der Trennung der Personen nicht gemeint sein, Jesus sei der Vater. Ausserdem hätte er das dann selbstverständlich auch so gesagt. Das hat er aber nicht, im Gegenteil, ich verweise da auf das 1. Kapitel dieser Ausführung, erinnere an Joh 17,3 u.s.w.

Aber ich will die Sache wegen der Hartnäckigkeit o.g. Irrlehre dennoch vertiefen. Auch in der weiteren Betrachtung des Kontextes wird klar, daß die These aus "Frage 1" oben als falsch abgelehnt werden muss. Lesen wir deshalb, was Jesus zwei Verse davor in Joh. 14,7, sagte. Er sagte:

"Wenn ihr mich erkannt hättet, würdet ihr auch meinen Vater kennen; von jetzt an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.«"

Wenn Jesus zunächst dreimal hintereinander von "erkennen" bzw. "kennen" spricht, kann Jesus dann hier meinen, daß man im optischen Sinn "den Vater sehen" würde, wenn man ihn sieht, bzw. daraus folgend, daß "er selbst der Vater" sei? Jesus fügt dann zwar an: "...und habt ihn gesehen" (weshalb, dazu komme ich noch) dennoch kann dementsprechend kein optisches "Sehen" gemeint sein. Warum?

"Kennen" - wovon Jesus hier spricht - kommt von "Erkenntnis". Echtes "kennen" setzt Verstehen und Begreifen der Person bzw. ihres Charakters vorraus. Auch wenn das in unserem Sprachgebrauch aus Oberflächlichkeit zum Teil anders üblich ist: Von einmaligem "sehen" oder überhaupt nur sehen "kennt" man eine Person nicht in diesem echten Sinn. Noch nicht einmal oberflächlich. Sieht man also eine Person, so hat man sie in diesem Sinne noch lange nicht "erkannt". Umgekehrt betrachtet:  Ist zum "erkennen" oder echten "Kennen" nötig, daß man eine Person optisch sieht? Nein. Auch ein Blinder kann eine Person (ihren Charakter) sehr genau "kennen", wenn er nur lange genug mit dieser Person näheren Umgang hat. Irgendwann wird er aus Beschreibungen sogar erfahren, wie die Person aussieht.

Daß Jesus hier einerseits diese oben beschriebene "Erkenntnis" meint, und daß er andererseits, wenn er in diesem Zusammenhang zuvor dreimal von "erkennen" spricht, nicht optisches "Sehen" meint, geht auch daraus hervor, daß Jesus sagt (Vers 9): 

»So lange Zeit schon bin ich mit euch zusammen, und (trotzdem) hast du mich noch nicht erkannt, Philippus?..."

Dieser Satz gäbe ganz und gar keinen Sinn, wenn es hier darum ginge, Jesus als Person optisch zu "erkennen". Philippus war auch durchaus nicht blind. Jesus ist also der Meinung, daß seine engsten Anhänger ihn auf dieser Basis - nämlich langem und persönlichem Umgang (s. der obige Vergleich mit dem Blinden) eigentlich hätten erkennen können. Denn: Zum "erkennen" in diesem Sinne, also Verstehen und Begreifen einer Person bzw. ihres Charakters braucht es ja Zeit und Erfahrung/Erlebnisse mit dieser Person.

Man beachte weiterhin die aus Vers 7 folgende Konversation mit Philippus in Vers 8 und 9. Jesus sagte (nochmal Vers 7):

"Wenn ihr mich erkannt hättet, würdet ihr auch meinen Vater kennen; von jetzt an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.«"

Dann folgt Philippus seine Reaktion (Vers 8):

"Philippus sagte zu ihm: »Herr, zeige uns den Vater: das genügt uns.«..."

Philippus spricht hier in Vers 8 also vielmehr von "zeigen", sprich "sehen" des Vaters, nicht aber von jenem "erkennen", wie Jesus es stattdessen tut. Deshalb fügt Philippus an: "...das genügt uns". Während Jesus´ also vom "Erkennen" auch des Vaters spricht, das durch ihn selbst geschehen kann (siehe Vers 7), zeigt Philippus, daß er das 1. noch nicht erkannt hat, und 2. reduziert Philippus das auf Oberflächlichkeit: "»Herr, zeige uns den Vater: das genügt uns.«..." (Vers 8). Was ist Jesus´ Reaktion darauf?

"...Da sagte Jesus zu ihm: »So lange Zeit schon bin ich mit euch zusammen, und (trotzdem) hast du mich noch nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen; wie kannst du sagen: ›Zeige uns den Vater!‹ (Vers 9)

Ich fasse zunächst zusammen, bevor ich zur Frage komme, weshalb Jesus hier dennoch auch vom "sehen" des Vaters spricht:

Bereits im Vers davor (Vers 7), aber auch in Jesu Reaktion auf Philippus seine Worte (Vers 9) wird deutlich, daß es Jesus stattdessen um Erkenntnis seiner Person geht, nämlich daß die Jünger durch Erkenntnis seiner Person dann Erkenntnis des Vaters (=von JHWH, vgl. auch Johannes 17,3) erlangen können. Wie zuvor bereits geklärt, kann optisches Sehen des Vaters nicht gemeint sein. Warum spricht Jesus hier dennoch auch vom "sehen" des Vaters?

Wenn man eine sichtbare Person persönlich "kennt" bzw. "erkannt" hat (Jesus), die von einer unsichtbaren oder abwesenden (der Vater) ein "Bildnis des Charakters" ist, d.h. jene unsichtbare Person also im Charakter abbildet, dann kann man sinngemäß davon sprechen, daß man auch jene Person, nämlich den Vater, "gesehen" hat. So tut es Jesus. Denn es steht ja über Jesus in Kolosser 1,15 geschrieben:

"Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung."

Siehe auch Johannes 12,45:

"und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat."

In diesem Sinne spricht Jesus also auch vom "Sehen" des (unsichtbaren!) Vaters. Aus beiden Versen wird - zusammen betrachtet - deutlich, daß Jesus ein "Bild" bzw. Bildnis des "unsichtbaren Gottes" (Vater, JHWH) ist. In Hebr. 1,3 wird das weiter konkretisiert:

"Dieser ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und die Ausprägung seines Wesens..."

Jesus ist also ein "Bildnis" Gottes hinsichtlich seines Charakters und seiner Herrlichkeit. Das wird ebenso auch aus 2. Kor. 4,6; Joh 1,16-18 sowie Joh. 14,7 und dem, was oben ausgeführt wurde, insgesamt deutlich. Daß Jesus selbst der Vater wäre, ist also nach der Logik ausgeschlossen.

Wollte man dennoch behaupten, Jesus hätte hier aussagen wollen, er sei der Vater bzw. daß es in Joh 14,9 um optisches Sehen des Vaters ginge, so müsste man nicht nur dieses o.g. alles ignorieren, sondern man müsste Jesus zudem trotz seiner völlig umfassenden Schriftkenntnis unterstellen, er wüsste nicht, daß ein optisches "Sehen" des Vaters gemäß der heiligen Schrift vor dem Gericht Gottes gar nicht möglich ist (1. Tim. 6,16; 2.Mo 33,18-20; 1.Joh 4,12), sondern erst im Himmelreich möglich sein wird (Matth. 5,8; Offb 22,4; Ps. 17,15; 1.Joh. 3,2), wie es die Gott stets gehorsamen Engel schon jetzt tun (Mt. 18,10). Alternativ würde man Jesus unterstellen müssen, er hätte gelogen oder Unsinn erzählt, obwohl Gott ihn ja gerade aufgrund seines völligen Gehorsams dermassen ehrt (s. Kapitel 1).

Fazit zu Frage 1: Der Glaube an Jesus als "allmächtigen Vater" (JHWH) ist also aus mehreren Gründen ein völliger Irrtum und Johannes 14,9 ist dazu als Beleg ungeeignet.

Frage 2: Stützt diese Aussage "...Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen..." nicht das Trinitätsdogma, nämlich, daß Jesus "Gott gleich" sei - also daß Jesus auch wie der Vater allmächtig wäre?

Daß Jesus ein charakterliches Bildnis des Vaters ist, vgl. Hebr. 1,3 "...Abglanz seiner Herrlichkeit und die Ausprägung seines Wesens..." scheint oberflächlich betrachtet eher für diese These zu sprechen. Obwohl auch dieser Vers bereits die "Einheit" beschreibt, ergibt sich die Lösung des Verständnisproblems durch das weitere Verstehen von "Einheit" (hier zwischen Gott und Jesus) wie die Bibel sie definiert, und zwar wie oben unter den anderen "behaupteten Belegen" bereits näher ausgeführt.

Die Aussage aus Hebr. 1,3 ist nur deshalb möglich, weil Jesus sich durch folgendes kennzeichnet: "...Deinen Willen zu tun, mein Gott, ist meine Lust, und dein Gesetz ist tief mir ins Herz geschrieben." (Psalm 40,8-9). Hier ist also ersichtlich, daß es bei Hebr. 1,3 oder biblischer Einheit überhaupt nicht um Gleichwertigkeit neben Gott, sondern um Einheit durch Verinnerlichung seines Gesetzes und freiwilligen Gehorsam Gott gegenüber geht (vgl. Phil. 2,8-9), wie es auch in Joh 5,30; 6,38 und 12,49 sehr gut zum Ausdruck kommt. Aus diesem Grund konnte Jesus auch das "Wort Gottes" (genauer: "Logos", Joh 1,1, s.o.) genannt werden. Jesus kennzeichnet sich dem entsprechend charakterlich durch die  reine Wahrheit seiner Lehre, wie es auch an etlichen Stellen von anderen bekannt wird. Jesus drückt das aus, indem er sich selbst als "die Wahrheit" bezeichnet, weil er Gottes Wort in Reinform als Gesandter Gottes verkündet.

Siehe ansonsten gemäß dem Kontext, wie ich ihn v. a. unter "Behaupteter Beleg 1: "ich und der Vater sind eins" oben sowie alternativ unter "Von der Einheit" ausgeführt hatte.

In diesem Sinne sagt Jesus also in Joh. 14,9: "...Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen..." Das wird auch aus den darauf unmittelbar folgenden Versen, Johannes 14,10-12, deutlich.

Ich erinnere daran, daß die Frage nach der Bedeutung des gegenseitigen "in", wie in der Aussage von Jesus: "Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist?" (Vers 10 u.s.w.) unter "Behaupteter Beleg 5" bereits behandelt wurde und sich z.B. in 1. Joh 4, 12-13 und 16 auch zwischen Gott und Jesu Nachfolgern so wiederfindet. Es geht also nicht um eine "Exklusiveinheit" zwischen Jesus und Gott.

Fazit zu Frage 2: Auch das Trinitätsdogma lässt sich mit Johannes 14,9 nicht belegen.

 

Weiteres später.

 

 

 

 


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